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Ab dem dritten bis fünften Berufsjahr beginnt für viele Juristen eine entscheidende Phase. Fachlich ist man etabliert, Mandate laufen routiniert, das Feedback ist überwiegend positiv. Und doch erleben wir häufig, dass Karrieren in genau dieser Phase an Dynamik verlieren, ohne dass es sich wie ein klarer Rückschritt anfühlt.
Der Grund dafür sind selten offensichtliche Fehlentscheidungen. Viel häufiger sind es Faktoren, die auf den ersten Blick kaum auffallen, langfristig aber spürbare Auswirkungen haben.
Ein häufiger Karrierehemmnis ist nicht die Kanzlei an sich, sondern das konkrete Team. Dabei geht es nicht nur um fachliche Ausrichtung oder Teamkultur, sondern oft auch um die tatsächliche Auslastung.
In manchen Teams fehlt es phasenweise oder dauerhaft an ausreichend Mandaten. Das führt dazu, dass erfahrene Juristen trotz hoher fachlicher Qualität nicht in dem Umfang eingesetzt werden, der ihrer Erfahrung entspricht. Diese Situation liegt in der Regel nicht in der Verantwortung des einzelnen Anwalts, sondern ist häufig strukturell oder mandatsbedingt und damit primär eine Frage der Team- und Mandatssteuerung.
Problematisch wird das dann, wenn:
Was nach außen oft nicht sichtbar ist, kann sich langfristig deutlich auf Entwicklung, Marktwert und Perspektiven auswirken.
Viele Juristen verlassen sich darauf, dass gute Arbeit automatisch zu den richtigen Chancen führt. In der Praxis reicht das selten aus.
Spätestens ab dem vierten oder fünften Berufsjahr wird entscheidend:
Ohne bewusste Positionierung besteht die Gefahr, fachlich solide zu arbeiten, aber nicht als das wahrgenommen zu werden, was man tatsächlich leistet oder leisten könnte.
Ein Titel kann Sicherheit vermitteln, sagt aber wenig über die tatsächliche Perspektive aus. Entscheidend ist nicht, wie eine Rolle heißt, sondern was sie inhaltlich bedeutet.
Warnsignale können sein:
Karriereentwicklung lässt sich nicht an Bezeichnungen festmachen, sondern an realer Verantwortung, Sichtbarkeit im Mandat und Entwicklungsspielraum.
Der wichtigste Schritt ist, die eigene Situation regelmäßig ehrlich zu reflektieren. Nicht aus Unzufriedenheit, sondern aus strategischem Denken heraus.
Hilfreiche Fragen sind:
Wer diese Fragen früh stellt, hat deutlich mehr Gestaltungsspielraum als jemand, der erst reagiert, wenn Unzufriedenheit entsteht.
Karrieren bleiben selten stehen, weil jemand etwas falsch macht. Meist fehlen Orientierung, Vergleich und ein neutraler Blick von außen. Genau deshalb lohnt es sich, rechtzeitig innezuhalten und die eigene Entwicklung bewusst zu steuern.
Wenn du dich in dieser Phase wiedererkennst, kann es sinnvoll sein, die eigene Situation einmal einzuordnen, bevor konkrete Entscheidungen notwendig werden.